Startseite / Webruinen / Hochgradig psychopathische Konzerne
beherrschen die Welt
Die Macht der internationalen Konzerne und die von ihnen betriebene Globalisierung und Zerstörung ist eigentlich hinlänglich bekannt, doch in dieser Dokumentation wird sie nochmals umfassend mit vielen Beispielen und in sehr professioneller Form vermittelt. Einzig den Profitinteressen ihrer Aktionäre (alias "Shareholder Value") verpflichtet spielen sie weltweit die Nationen und die Bürger darin gegeneinander aus. Oft am Rande der Legalität und darüber hinaus werden Gewinne ohne Rücksicht auf Menschen und Natur maximiert. Berichtet wird etwa über die Kinderarbeit und sklavenartige Zustände in Fabriken der Dritten Welt, Umweltzerstörung, Krebs erregende Produkte und die Vertuschung ihrer Skandale, Patente auf Gene oder Saatgut, das sich irrsinnigerweise selbst zerstört, damit die Bauern jedes Jahr neues kaufen müssen. Während Profite allein den Aktionären zugute kommen, werden Schäden jeglicher Art und finanzielle Verluste möglichst an die Allgemeinheit abgegeben. Konzerne entziehen sich demokratischer Kontrolle und führen zu einer Welt, in der jegliche menschliche Werte hinter den Renditewünschen von ein paar Aktionären verblassen. Der Mensch zählt nur noch als Konsument.
Die Dokumentation (143 Minuten) ist flott gemacht. Viele namhafte Kritiker wie Michael Moore, Noam Chomsky oder Naomi Klein kommen zu Wort, aber auch diverse CEOs. Geschickt eingebaut ist eine Psychoanalyse, bei der die juristische Person "Konzern" an den WHO-Kriterien zur Bestimmung eines Psychopathen gemessen wird. Und siehe da, Konzerne sind nicht nur aggressiv und asozial, sondern entsprechen geradezu dem Prototyp eines Psychopathen. Für einen Konzern ist hochgradig rücksichtsloses Verhalten in der Gesellschaft normal.
Nicht im Film angesprochen werden die unklaren Eigentümerstrukturen hinter den Konzernen. Zwar kann prinzipiell jeder Mensch Aktionär werden, in der heutigen Realität aber sind die Kleinaktionäre eine zu vernachlässigende Minderheit (oft unter 3%). Hinter den verflochtenen Strukturen aus Konzernen, Fonds und Banken steht letztlich eine kleine, mächtige Elite von wenigen tausend Leuten (dazu: David Rothkopf, "Die Super-Klasse"), der nach der weitgehenden Privatisierung der globalen Infrastruktur der Planet fast vollständig gehört.
Einige Rezensenten haben die Alternativen bzw. Auswege vermisst, dabei geht die Dokumentation zum Ende hin ausführlich darauf ein. Zunächst ist da der simple Boykott von Konzernprodukten, in dem man nicht sklavisch jeder Konzernwerbung folgt. Neben zahlreichen Möglichkeiten zum Engagement in Bürgerinitiativen (dazu interessant: Naomi Klein, "No Logo!") sowie den friedlichen Methoden Ghandis gibt es als ultimatives Mittel den Generalstreik und Volksaufstand. Hier bringt die DVD ein Beispiel aus Bolivien, wo ein US-Konzern auf Betreiben der Weltbank das Trinkwassermonopol erhalten hatte und nach kräftigen Preiserhöhungen viele Familien ein Viertel ihres Einkommens für Wasser ausgeben mussten. Es war aus Konzernsicht nur konsequent, dass sogar das Auffangen von Regenwasser verboten wurde. An diesem Punkt kam es zum Bürgerkrieg mit Toten, bis Soldaten und Polizisten sich schließlich weigerten, weiter auf ihre Bürger zu schießen, und die Politiker untertauchten. Erst hier war die Macht der Konzerne gestoppt und das Wasser ist heute wieder billig. "Ich habe damals eine Lektion gelernt", sagt einer der Bolivianer, "Unterschätze niemals die Macht des Volkes. Vereint ist das Volk unbesiegbar."
Tipp: Der Film ist übrigens unter gleichem Namen mit deutschen Untertiteln bei Google-Video eingestellt.
Erfasst von Elvis Snively am 18.08.09
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